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Schöne Künste | 22.12.2020 - 29.08.2021

Supports/Surfaces: Viallat & Saytour

Moderne französische Malerei aus dem MNHA

Eine der Stärken der internationalen Kunstsammlung des MNHA ist das Gemäldeensemble von Supports/Surfaces, einer künstlerischen Bewegung, die von 1966 bis 1972 die zeitgenössische französische Kunst sowohl in der Malerei als auch in der Bildhauerei geprägt hat.

Das MNHA besitzt eine der wichtigsten öffentlichen Sammlungen von Supports/Surfaces Werken europaweit. Sie wurde über viele Jahre hinweg aufgebaut und wird auch heute noch aktiv durch Schenkungen und Ankäufe erweitert. In dieser Ausstellung werden wichtige Neuerwerbungen der letzten Jahre gezeigt, wobei der Schwerpunkt auf Werken von zwei Gründungsmitgliedern der Supports/Surfaces-Bewegung liegt: Patrick Saytour (geb. 1935) und Claude Viallat (geb. 1936).

Supports/Surfaces hatte seinen Ursprung in Südfrankreich, wo ein Großteil der Gründungsmitglieder in Städten wie Montpellier, Nîmes und Nizza lebten und arbeiteten. Viallat und Saytour, die jeweils in den beiden letztgenannten Städten geboren wurden, gehörten zu einer Gruppe von zwölf Künstlern, darunter auch Vincent Bioulès, Louis Cane, Daniel Dezeuze, Jean-Pierre Pincemin und Bernard Pagès sowie andere, die eng mit ihnen verbunden waren. Ihre Arbeit war von Anfang an geprägt von einem Interesse an der Materialität, einem lyrischen Umgang mit der Farbe und weitreichenden Vorstellungen davon, was ein Gemälde ausmacht.

Die Form entmystifizieren und gleichzeitig neue Möglichkeiten schaffen

Der Name der Gruppe bezieht sich auf ihren Versuch, die Malerei auf ihre wesentlichsten Bestandteile zu reduzieren. Die Oberfläche (Surface) spielt auf die Leinwand eines Gemäldes an, während sich der Träger (Support) auf den Keilrahmen bezieht, der einem Gemälde strukturelle Einheitlichkeit verleiht. Indem sie die Konventionen und Prozesse der Malerei offenlegten, hofften sie, die Form zu entmystifizieren und gleichzeitig neue Möglichkeiten zu schaffen. Die Künstler der Gruppe stellten auch den Kunstmarkt sowie bestimmte Regeln zur Datierung und Signierung von Werken in Frage. Sie wollten zu einer Art reduktiver und essentieller Kunstpraxis zurückkehren.

Das locker gestrickte Kollektiv zielte darauf ab, die grundlegende Objekthaftigkeit der Malerei zu dekonstruieren, zu einer Zeit, in der die Autonomie der Kunst weltweit angefochten wurde. Die französische Kultur durchlief in den 1960er Jahren viele schnelle und tiefgreifende Veränderungen. Seither haben Viallat und Saytour nicht aufgehört mit einer Arbeitsmethode zu experimentieren, die die traditionelle Malerei ablehnt, ohne jedoch alles über Bord zu werfen. Es gelang ihnen, sich an Teilen der Form festzuhalten und andere Bestandteile der Malerei aufzugeben. Diese gleichzeitige philosophische Ablehnung und partielle Konservierung der Malerei hat es ihnen ermöglicht, in der unendlichen Flexibilität der Form neue Vitalität zu finden.

Die verwendeten Materialien gehörten und gehören zu den vulgärsten oder ”kitschigsten”

2020 255 002 viallat
2020 255 001 viallat
2019 258 002 saytour
2019 258 001 saytour
2019 252 001 saytour
MHA4824
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MHA4821
MHA4818
MHA4817
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MHA4812
MHA4810

Innerhalb der Supports/Surfaces-Bewegung hat Patrick Saytour (geb. 1935) stets bewusst eine marginale, kritische, ja sogar ironische Position eingenommen. Seine Arbeit kann als Unterfangen definiert werden Form, Farbe, Format, sowie den Bildrahmen zu dekonstruieren, um es mit seinen Worten einer seiner Aussagen auszudrücken. Er konzentrierte sich dann völlig auf einer Art Kunst die der Kunstpraktik selbst im Frage stellt, wobei er einfache Formen und unkomplizierte Techniken nutzte: systematisches Falten und Entfalten, Verbrennen, Einweichen, Solarisation usw. Die verwendeten Materialien gehörten und gehören zu den vulgärsten oder ”kitschigsten”: Gewebe und Pelze aus synthetischen Materialien, die auf von den Gastarbeitern frequentierten Märkten im Überfluss vorhanden sind.

"Dezeuze malte Keilrahmen ohne Leinwand, ich malte Leinwände ohne Keilrahmen und Saytour die Abbildung des Keilrahmens auf der Leinwand"

Claude Viallat

Als Vertreter der Nouvelle Peinture konzentriert sich Claude Viallat (b.1936) auf die primären und strukturellen Elemente der Malerei: die Leinwand, die Farbe und die Oberfläche. Seit 1966 beschäftigt er sich mit der Farbe, die Subjekt und Objekt zugleich ist. Der Keilrahmen verschwindet. Die freie Leinwand ist bemalt und vor diesem farbigen Hintergrund platziert Viallat Schablonendrucke, wiederholt und seriell. "Dezeuze malte Keilrahmen ohne Leinwand, ich malte Leinwände ohne Keilrahmen und Saytour die Abbildung des Keilrahmens auf der Leinwand", kommentierte der Künstler einige Jahre später. Viallat ist einer der Gründer und zwölf aktiven Mitglieder der Supports/Surfaces-Bewegung. Die meisten der hier vorgestellten Werke zeigen, dass Farbe für ihn elementar ist und die wiederholten Muster hervor­hebt, die seiner Kunst kohärente Dimensionen und Rhythmus verleihen, die charakteristisch für Supports/Surfaces sind.